Newsletter 6: Meine Begegnungen am Jakobsweg  Teil 1

„Es sind Begegnungen mit Menschen,
die das Leben lebenswert machen.“
(Guy de Maupassant).
 .
Bereits als ich das erste Mal vom „Camino“ hörte, war für mich klar, dass ich ihn alleine gehen wollte und das, obwohl ich nicht die typische Alleinreisende und weder besonders mutig noch waghalsig bin.
Ich wurde natürlich im Vorfeld oft gefragt, ob ich mich das wirklich traue, ob ich nicht Angst hätte, dass mir etwas passiert und dann niemand ist da …
Ich muss gestehen, dass ich beim Abflug in Wien und am ersten Tag, wo alles so neu war, schon froh gewesen wäre, nicht alleine zu sein. Aber ab dem 1. Pilgertag wurde mein Grundgefühl – das will ich wirklich alleine machen – immer wieder bestätigt.Während des gesamten Jakobsweges hatte ich nie das Gefühl von Angst oder Einsamkeit und ich kam auch in keine gefährlichen Situationen. Im Gegenteil – ich habe mich selten so gut beschützt und aufgehoben gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass die Pilger „aufeinander aufpassen“ und sich unterstützen.
 .
Meistens hatte ich Sichtkontakt mit anderen „Peregrinos“ und wenn ich vor und hinter mir „Rucksäcke“ sah wusste ich – falls irgendetwas passiert, die Hilfe ist nicht weit.Wie ich schon erwähnt habe, fühlte ich mich sofort in der Pilgergemeinschaft herzlich aufgenommen und ich habe in diesen Wochen sehr viele Menschen kennengelernt; Wahrscheinlich mehr, als wenn ich in einer Gruppe unterwegs gewesen wäre.Was mich am „Camino“ sehr faszinierte war, dass der MENSCH im Vordergrund stand: Nationalität, Alter, Beruf, Besitz, Gewand, Aussehen etc. waren egal. Diese ganzen „Schubladen“ in die man ja oft gesteckt wird oder selbst andere steckt gab es kaum.
 .

Die „Peregrinos“ sahen auch alle irgendwie gleich aus – Wanderkleidung, Rucksack, Pilgermuschel – das waren die Erkennungszeichen und das genügte.
Egal, ob man sich schon einmal begegnet war oder ob man sich zum ersten Mal sah – die Begrüßung „buen camino“ war immer herzlich.

.

Meine meisten Begegnungen fanden nach dem Pilgern in den Herbergen statt. Während des Gehens war ich, vor allem in der ersten Zeit, lieber alleine. Einerseits um meinen Gedanken nachhängen zu können, anderseits brauchte ich meine Energie fürs gehen. Größtenteils war ich bereits um 15 Uhr in einer Herberge und da hatte ich genug Zeit um mich zu erholen, Wäsche zu waschen, Tagebuch zu schreiben und mit anderen Pilgern zu kommunizieren.

Diese kamen aus vielen verschiedenen Ländern und Kontinenten (ich lernte sogar eine Australierin kennen). Wir unterhielten uns in einem Kauderwelsch der unterschiedlichsten Sprachen und es wurde fleißig hin und her übersetzt. Ich bin mir nicht sicher ob alles immer richtig verstanden wurde, aber letztendlich war es egal :-).

Auch das Thema „Essen“ wurde im Laufe der Zeit einfacher. Die für mich wichtigsten Informationen bekam ich häufig gleich nachdem ich in die Herberge kam – nämlich, wo es etwas zum Essen gab.

Oft gab es im Ort zumindest ein Lokal, wo es ein „Pilgermenü“ gab. Das bestand aus einer Suppe, Hauptspeise, Dessert und einer Flasche Wein oder Wasser. Es war sehr angenehm, nach dem Pilgern ohne Rucksack unterwegs zu sein und sich zu stärken. 

In einigen Herbergen kochte am Abend der Hospitalero. Wir saßen dann an einem – meist riesigen – Tisch und es war interessant und lustig, die unterschiedlichsten Pilgererlebnisse und Erfahrungen zu hören       >> siehe Bild rechts.


Hin und wieder gab es in der Herberge eine Küche und wir gingen einkaufen und kochten gemeinsam   << siehe Bild links.

 

Sehr nett war es ebenfalls, ein paar Sachen im Supermarkt zu kaufen und auf einer Bank, bei einem Fluss oder sonst wo zu picknicken. Manchmal ergab es sich, dass sich andere Pilger dazugesellten und dass alles in die Mitte gelegt wurde und ein jeder konnte sich von allem nehmen. Besonders die Pilger aus den südlichen Ländern waren da sehr großzügig und kreativ und ich lernte einige neue Speisen bzw. Kombinationsmöglichkeiten kennen.

Was mir zusätzlich gut gefiel war (egal ob das jetzt in einem Lokal oder in einer Herberge war): wenn jemand Neuer kam und sich dazusetzen wollte, wurde zusammengerückt. Ich hörte nie „da ist kein Platz mehr frei“.
Andererseits wurde respektiert, wenn jemand für sich sein wollte.

Dh. das Thema Essen wurde immer unkomplizierter und es ergab sich einfach, wo und ob ich alleine oder mit anderen gemeinsam aß.

Wir hatten dabei auch jede Menge Spaß. Besonders gerne erinnere ich mich an einen Abend in Fonfria: Der „Hospitalero“ hatte ein sehr leckeres 5 Gänge Menü gekocht. Unter den Pilgern waren 5 Burschen aus Brasilien. Nach dem Essen fing einer von ihnen an Gitarre zu spielen (ich weiß nicht, ob er sie die ganze Zeit mitgetragen hatte) und die anderen begannen zu singen. Nach kurzer Zeit sangen und tanzten wir alle und die Müdigkeit des Pilgerns war für diesen Abend vergessen.

Fortsetzung folgt ………

 

In meinem heutigen Artikel geht es um zufällige Begegnungen

Viel Spaß beim Teil 6 meiner Newsletter-Serie


Wie zufällige Begegnungen kleine Freuden in Ihren Alltag bringen können

In unserem hektischen Alltag nehmen wir meistens unsere Umgebung gar nicht mehr wahr. Wir sitzen in der Straßenbahn, U-Bahn, Kaffeehaus … und kommunizieren mit unserem Handy. Wir haben kaum Blickkontakte und zufällige Begegnungen ergeben sich seltener.

Nehmen Sie sich Zeit für folgende Fragen (wenn Sie vielleicht gemütlich unter einem schattigen Baum sitzen) 

> Sind Sie offen für zufällige Begegnungen?
> Wenn Sie alleine unterwegs sind, kommunizieren Sie nur mit Ihrem Handy oder beobachten Sie die Umgebung und andere Menschen?
> Fällt es Ihnen leicht mit Fremden ins Gespräch zu kommen?
> Wie viele Menschen haben sie im letzten Monat kennengelernt?  

Am Jakobsweg war es für mich zu Beginn ungewohnt, nichts zu organisieren, sich nicht zu verabreden und Begegnungen nicht zu planen. Im Laufe der Zeit habe ich es dann immer mehr genossen den Tag und seine Begegnungen einfach auf mich zukommen zu lassen. Manche Menschen traf ich nur einmal, andere „zufällig“ öfter.

Diese Begegnungen konnten ein „buen camino“ sein, manchmal wechselte man ein paar Worte. Es ergaben sich teileweise längere Gespräche, die sogar in Freundschaften münden konnten und ich habe noch immer Kontakt mit einigen „Peregrinos“.

Geben Sie zufälligen Begegnungen Raum!


! Mein Tipp – schenken Sie heute jedem ein Lächeln

Beim Wandern ist es oft so ähnlich wie am Jakobsweg – fremde Menschen grüßen sich und schenken sich häufig ein Lächeln.
Schon Erich Kästner wusste: „Jedes Lächeln, das du aussendest, kehrt doppelt zu dir zurück“. 
Lächeln und Lachen stärkt unser Immunsystem, Glückshormone werden ausgeschüttet und es ist gratis, aber nicht umsonst.

Viel Spaß und Erfolg damit !


>> Allen die vorhaben den Jakobsweg zu gehen, stehe ich natürlich weiterhin gerne für Tipps zur Verfügung. 

>> Wenn Sie Unterstützung brauchen, um Ihre neuen Lebensabschnitte und Projekte mit Freude und Leichtigkeit zu beginnen, biete ich Ihnen gerne ein kostenloses Kennlerngespräch an. In dieser ca. ½ Stunde durchleuchten wir gemeinsam Ihre aktuelle Situation und besprechen eine mögliche weitere Vorgangsweise.

Kontaktformular

 


 

Mehr über „Meine Begegnungen am Jakobsweg  Teil 2″ lesen Sie im nächsten Newsletter